Die aktuelle Lage in Syrien und Wiederaufbau der Landwirtschaft

    Dr. Mahmoud El-Solh, Former Director General, ICARDA, at Global Food Summit 2017 in Berlin

    Berlin, im März 2015: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt würdigt den Direktor der Saatgut-Datenbank ICARDA, Dr. Mahmoud El-Solh, mit dem Gregor Mendel Preis. Mahmoud El-Solh hat, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern in Aleppo, die weltweit einzigartigen Saatgut-Datenbank außer Landes gebracht. In Taxis an die türkische Grenze, auf Eselsrücken nach Jordanien, und immer unter unter Lebensgefahr. Aleppo stand damals kurz davor, von Rebellen eingenommen zu werden.

    Berlin, im November 2017: Aleppo ist mittlerweile eine vollkommen zerstörte Stadt. Buchstäblich kein Stein steht mehr auf dem anderen. Die Bilder der Kinder, die dort im Bomenhagel ausharren mussten, gingen um die Welt. Dr. Mahmoud El-Solh, mittlerweile ehemaliger Direktor von ICARDA, aber immer noch für die FAO unterwegs, ist wieder in Berlin. Eingeladen zum Global Food Summit, der am 29. und 30. November stattfand. Wir vor knapp zweieinhalb Jahren stellen sich die Fragen nach der Situation in Syrien.

    Syrien, immerhin ein Land, das vor dem Krieg in guten Jahren nicht nur Selbsversorger mit Grundnahrungsmitteln war, sondern sogar Weizen exportieren konnte. Jetzt flüchten Millionen verzweifelte Menschen vor Krieg und Hunger aus dem Land. Ob das Land je weder zum Vorkriegsstand finden kann? Dr. Mahmoud El-Solh bezweifelt das. Seiner Erfahrung im Aufbau nach, dauert es gut 40 Jahre, wieder eine funktionierenden Landwirtschaft in Kriegs- und Krisengebieten aufzubauen.

    Eine kleine Hoffnung aber bleibt: In all dem Kriegs- und Zerstörungswahnsinn grenzt es an ein Wunder dass die ehemalige Saatgutbank, das International Center for Agricultural Research in Dry Areas (ICARDA) in Aleppo nämlich immer noch intakt ist, auch wenn die Anlage mittlerweile verlassen und von Plünderungen nicht verschont blieb. Die Anlage wurde von den in syrien verbliebenen Mitarbeitern und Bürgern Aleppos geschützt und auch Rebellen – egal welcher politischen Richtung – haben sie nicht zerstört. Zu groß ist das Renommee und der Ruf ICARDAS in Syrien. Die Saatgut-Datenbank könnte so nach dem Krieg einen Nukleus zum Wiederaufbau der syrischen Landwirtschaft werden. Die ICARDA-Saatgutbank ist die größte Sammlung für die Fruchtarten Gerste, Faba-Bohne und Linse sowie alte Hart- und Brotweizensorten. Die Sammlung ist eine einzigartige Ressource für Wissenschaftler und Züchter auf der Suche nach Pflanzenmaterial für nationale und internationale Züchtungsprogramme zur Entwicklung trockentoleranter, krankheits- und schädlingsresistenter Sorten.

    ICARDA ist weltweit in über 40 Staaten aktiv, vor allem im Nahen Osten und Afrika. ICARDA erforscht die besten Anbaumethoden und das geeignete Saatgut für den Trockenfeldbau in ariden Gegenden. Dabei liegt der Fokus auf der Verbesserung der Situation von Kleinbauern und Frauen.

    Dr. Mahmoud El-Solh war Redner auf dem Global Food Summit am 29. und 30. November 2017 in Berlin.