Auf der Grünen Woche verkündete Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (3. von rechts) gemeinsam mit Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft und Gästen die „Kartoffel des Jahres“ 2017.Von links: Meike Jaschok (Bornwiesenhof), Carolin Grieshop (Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen), Julius Ellenberg (Ellenbergs Kartoffelvielfalt), Luisa Hasse (Heide-Kartoffelprinzessin), Andreas Eckhardt (Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung), Julia Dorau (Heide-Kartoffelkönigin), Christian Meyer (Niedersachsens Landwirtschaftsminister), Rudolf Vögel (Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzenpflanzen in Brandenburg, V.E.R.N.), Wilfried Stegmann. Foto: m&p

Vielseitig, gelb, wohlschmeckend, aber vom Aussterben bedroht:

„Weinberger Schloßkipfler“ ist „Kartoffel des Jahres“ 2017. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer gab auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin den Namen der Siegersorte bekannt.

„Weinberger Schloßkipfler“ ist eine alte Sorte. Sie wurde Ende der 1950er-Jahre in Österreich gezüchtet und 1962 beim Sortenamt angemeldet. Aber schon sieben Jahre später verschwand sie wieder von der Liste und damit vom Markt. Das Aus kam schnell, weil neue Züchtungen ertragreicher waren und damit besser geeignet für denErwerbsanbau. Und hörnchenförmige Kartoffeln – Kipfler ist ein süddeutscher Ausdruck für Hörnchen – haben sich im breiten Markt nicht durchsetzen können.

Die Kartoffel hat einen hervorragenden Geschmack, ist festkochend, gelb und in der Küche universell einsetzbar, für Salzkartoffeln genauso wie für Kartoffelsalat oder Kartoffelklöße. „Sie entspricht damit auch heute noch dem Ideal einer guten, vielseitigen Speisekartoffel“, sagt Wilfried Stegmann von der „Arbeitsgemeinschaft Kartoffel des Jahres“, die diese Auszeichnung zum zwölften Mal vergibt.

Aber die Kartoffelsorten in Deutschland nehmen stetig ab. Heute sind noch 150 Speisekartoffelsorten zugelassen. „Im Lebensmitteleinzelhandel sind höchstens noch zehn Kartoffelsorten zufinden“, sagt Stegmann. „Jede Kartoffelsorte hat einen eigenen, unverwechselbaren Geschmack. Schon aus diesem Grund lohnt es sich, alte Kartoffelsorten zu erhalten.“

Alte Kartoffelsorten werden nur noch von Spezialisten und einigen Vereinen erhalten und über das Internet oder auf Wochenmärkten verkauft. Die meisten der rund 40 deutschen Kartoffel-Erhaltungszüchter sind Biobetriebe.

„Ökolandbau ist Vielfalt“, sagt Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen (KÖN). Das KÖN ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Kartoffel des Jahres. „Die Vielfalt zeigt sich im Geschmack und auch in der guten Anpassung regionaler Sorten an die jeweiligen Boden- und Wachstumsbedingungen. Diese Vielfalt darf nicht verloren gehen. Deshalb setzt sich der Ökolandbau für den Erhalt alter Pflanzensorten ein.“


„Weinberger Schloßkipfler“ ist zum Beispiel von folgenden Erhaltungszüchtern und Händlern für den Privatgebrauch in geringen Mengen zu beziehen:

Kartoffel Müller, Hauptstr. 58, 89278 Nersingen-Straß, Telefon: 07308-924 33 71, info@kartoffel-mueller.de, www.kartoffel-mueller.de

Tartuffli Naturwaren e.K., Ammerseestraße 1a, 86940 Schwifting, Telefon 08191-9854226, info@erlesene-kartoffeln.de, www.erlesene-kartoffeln.de


Wer hat gewählt?

Die „Kartoffel des Jahres“ wird gewählt von Vertretern des Arbeitskreises „Kartoffel des Jahres“. Dem Arbeitskreis gehören zehn Organisationen, Vereine und Unternehmen an.

1. Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Georg Janßen, Geschäftsführer
2. Bioland e.V., Jan Plagge, Präsident
3. Biolandhof Ellenberg, Karsten Ellenberg, Landwirt und Kartoffelzüchter
4. Freilichtmuseum am Kiekeberg, Prof. Dr. Rolf Wiese, Museumsleiter
5. Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH (KÖN), Carolin Grieshop,
Geschäftsführerin
6. Slow Food, Walter Kress, Conviviumsleitung Heilbronner Land
7. „Tartufflis erlesene Kartoffeln“, Peter Glandien, Kartoffelhändler
8. Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg (VERN),
Rudolf Vögel
9. Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN), Dr. Heidi Lorey
10. www.blaue-kartoffeln.de, Wilfried Stegmann


Quellen: Blaue Kartoffeln, Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen