Können Supermarktbesucher Plastik beim Einkaufen vermeiden?

    Supermärkte im Check: Können Supermarktbesucher Plastik beim Einkaufen vermeiden?

    Zürich – Kommt nicht in die Tüte: drei Märkte und ein Fazit. Geht unverpacktes Einkaufen auch im heimischen Supermarkt vor der Haustür?

    Die smarte Shoppingliste Bring! testet, ob Supermarktbesucher im Alltag ohne Kunststoff auskommen

    Bereits morgens beim Zähneputzen geht es los: Es ist in unserer Zahnpasta, wir tragen es am Körper, telefonieren damit und decken uns abends sogar noch damit zu: Plastik ist allgegenwärtig, billig, leicht zu transportieren und schnell zu entsorgen. Jährlich verbrauchen die Deutschen fast 12 Millionen Tonnen Plastik – so viel wie kein anderes europäisches Land. Wie aber können umweltbewusste Supermarktbesucher diese Massen beim alltäglichen Gang zum Lebensmittelgeschäft vermeiden? Die smarte Einkaufsliste Bring! testet, ob Konsumenten jenseits vom Biomarkt und verpackungsfreien Läden, auf den Kunststoff verzichten können.

    1. Hier und da im Marken-Discounter: Plastikfreies für die Mittagspause

    Station eins im Märkte-Check ist der Marken-Discounter Netto. Den ersten Blick warfen die Bring!-Tester in den Gemüse- und Obstbereich. Mit dem mitgebrachten Jutebeutel gewappnet, können plastikfrei-Shopper bei den losen Äpfeln sorglos zuschlagen. Bei den Gurken punktet die Bio-Variante gegenüber dem herkömmlichen Gemüse im glänzenden Gewand. Das einzige Manko: Das Bio-Siegel kommt auch nicht ohne Plastik-Sticker aus. Zusätzlich gab es Kisten mit Cherrytomaten, bei denen sich Kunden tütenfrei bedienen können. Zwar gibt es kleine Plastikschälchen, die direkt davorstehen, doch dank des eigens mitgebrachten Beutels ging es auch ohne. Nach dem Gemüse- und Obstbereich wurde es schon schwieriger: Es gab weder Milch in Glasflaschen, noch eine Frischetheke für Käse und Wurst. Erst in der Konservenabteilung fand sich eine herzhafte Alternative zum Aufschnitt. Für den deftigen Gaumen gab es Sülze, Mett und Blutwurst im Glas. Angekommen an der Kasse, waren bei Netto weder Papiertragetaschen noch andere nachhaltige Alternativen zu finden.

    I Check-Ergebnis: Kunden, die es sich zum Ziel gesetzt haben, auf Plastik zu verzichten, kommen beim Marken-Discounter Netto schnell an ihre Grenzen. Von losen Tomaten, Äpfeln sowie Mettwurst im Glas kann sich keiner langfristig ernähren. Doch für den schnellen Hunger in der Mittagspause findet sich mit viel Selbstdisziplin ein kleiner Snack, der umweltfreundlich verpackt ist.

    2. Getränke, Milchprodukte und Snacks: Ausnahmen bestätigen die Kunststoff-Regel

    Als nächsten Markt steuerten die plastikfreien Tester den Discounter Lidl an. Der erste Blick in den Laden verriet: Hier wird es schwieriger. Trotzdem wurden sie fündig. Klassiker, wie Wein oder Öle sind in Glasflaschen erhältlich. Joghurt-Fans finden hier leider keine gläserne Alternative. Der Konservenbereich bietet wenige Snacks wie Oliven im Glas. Das Brot, aufgebacken direkt im Geschäft, kann statt in die Papiertüten mit Klarsicht-Fenster auch direkt in den Jutebeutel wandern. Vielleicht ernten Kunden damit einen schiefen Blick an der Kasse, aber dafür bekommen sie sofort eine Papiertüte mit einem Augenzwinkern gereicht. Allerdings gab es dort auch restliche Plastiktüten.

    II Checkergebnis: Für ein schnelles Picknick können sich Lidl-Kunden ein Fläschchen Wein, Oliven im Glas und ein paar Tomaten besorgen. Doch auch hier zeigt das Ergebnis des Martkchecks: Für den Konsum der täglichen Lebensmittel wird es für nachhaltige Shopper auch schwierig.

    3. Hoffnung an der Frischtheke: Dilemma zwischen Hygiene und Nachhaltigkeit

    Nach den Testläufen bei den Discountern stieg die Erwartung beim dritten Markt: REWE. Das Markenunternehmen war erst kürzlich in aller Munde, als es probeweise die Plastiktüten im Gemüse-Regal abschaffen wollte. Der große Vorteil gegenüber den restlichen Märkten: Hier gibt es eine Frischetheke. Doch wenn Kunden ihren Blick über die Auslage schweifen lassen, sehen sie eines: Ausnahmslos alle Käsesorten waren in Klarsichtfolie gewickelt. Als die Tester ihre Tupperware hervorholten, schüttelte die Verkäuferin entschlossen den Kopf. Aufgrund der Hygieneverordnung dürfe sie fremde Behälter nicht auf ihre Waage stellen. Ein weiterer Aspekt: Der Preisaufkleber muss direkt auf dem Produkt angebracht werden. Danach ging es in die Snackabteilung: Auch hier finden plastikfreie Shopper eine Wüste an Verpackungen. Selbst bei in Pappschachteln verpackten Reinigungstabs und Vollmilchschokolade folgte beim Öffnen die Ernüchterung: Die Produkte waren unter der papiernen Oberfläche ebenfalls foliiert.

    III Checkergebnis: REWE erklärt, dass sie viel in Sachen Nachhaltigkeit machen. Doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass es viele plastikfreie Produkte gibt. Der gut sortierte REWE-Markt experimentiert zwar gern mit umweltfreundlichen Alternativen zum Plastik, die alltagstaugliche Langzeitlösung ist jedoch noch nicht gefunden. Mit seinen regionalen und saisonalen Produkten punktet die Supermarktkette dennoch.

    Fazit: Plastikfrei ist im Alltag eine missionarische Aufgabe

    Jeder Verbraucher weiß es: Bei den Discountern dominieren Kostenaspekte und praktische Nutzung über nachhaltigen Konsum. Plastik ist dabei das Symptom dieser Marktstrategie. Selbst, wenn Kunden gewappnet mit Beuteln durch den Markt streifen, finden sie wenige Alternativen. Der Marktcheck zeigt, dass der Zero-Waste-Konsum noch lange nicht bei den etablierten Supermarktketten angekommen ist. Das bedeutet, dass Plastikfrei-Shopper derzeit nur jenseits vom Markt-Mainstream auf Wochenmärkten oder bei spezialisierten Einzelhändlern satt werden können. Doch einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es: Bei einigen Lidl-Filialen können Kunden Nüsse direkt im Geschäft abfüllen, auch bei REWE können Lebensmitteleinkäufer in der richtigen Filiale eine tütenfreie Gemüse- und Obstabteilung vorfinden. Und glaubt man den nachhaltigen Plänen der Anbieter, so sind sie sich ihrer Verantwortung durchaus schon jetzt bewusst und wollen sich diesem Thema in der Zukunft verstärkt widmen.

    BRING! LABS AG

    Die kostenlose App Bring! (https://www.getbring.com) erleichtert den alltäglichen Besuch im Supermarkt. Mit dem Mix aus Shopping- und Productivity-App können Nutzer per Smartphone, Tablet, Smartwatch, Amazon Echo und Google Home Einkaufslisten erstellen, mit anderen teilen und so gemeinsam den Lebensmitteleinkauf planen. Dank Machine Learning kann die App zudem vorhersagen, wann wieder Waschmittel gekauft werden sollte. Gegründet wurde die Bring! Labs AG 2015 von den drei Schweizern Marco Cerqui, Sandro Strebel und Dominic Mehr. Die smarte Einkaufsliste wurde im Herbst 2017 mit dem Google Excellence Award ausgezeichnet und gehörte zu Google Play’s „BEST OF 2016“. Inzwischen verwenden weltweit Millionen von Verbrauchern Bring! um ihren Einkauf zu organisieren. Die App gibt es für iOS, Android und Web-Browser. Die Bring! Labs AG sitzt in Zürich und hat derzeit acht Mitarbeiter.

    Bring! Labs AG
    Röntgenstrasse 44
    CH-8005 Zürich