In Pilzkulturen genauso wie auf der Weide: Champignons ernähren sich von Stroh und Mist. Dabei zerlegen sie die organische Masse in ihre mineralischen Bestandteile, die nun auch die Pflanzenwurzeln auf-nehmen können. Bild: GMH/BDC

Erfahrene Pilzsammler wissen: Wilde Wiesen-Champignons findet man nur auf Viehweiden. Dort wo reichlich Mist anfällt, gedeihen die Pilze bestens. Sie zählen zu den Zersetzern unter den Pilzen und zerlegen die schon ein bisschen abgelagerten Hinterlassenschaften von Rind und Pferd. Ohne die Pilze würden wir in Mist, Herbstlaub und anderen organischen „Abfällen“ ersticken, denn Pflanzen können damit so unmittelbar nichts anfangen.

Die wilden Champignons durchwurzeln den Mist und beziehen aus den groben organischen Stoffen alles, was sie zum Wachsen und Fruchtkörper-Schieben brauchen. Dabei bauen sie den Mist immer weiter ab, sie mineralisieren ihn bis er von den Pflanzen verwertet werden kann. Nun ist er zu duftender Erde geworden, die der Weide im perfekten Kreislauf der Wiederverwertung all die Nährstoffe zurückgibt, die im Gras steckten, das das Vieh vorher gefressen hat.

Was die Natur vormacht, ahmen die Pilzanbauer nach. Ihre Pilzkulturen sind ein Ausschnitt aus dem natürlichen Kreislauf. Aus Pferdemist und Stroh entsteht das Substrat, auf dem die Champignons wachsen. Von Bauern beziehen die Pilzanbauer die beiden Stoffe. Einige kompostieren sie selbst. Die meisten lassen das von speziellen Kompostbetrieben erledigen. Sorgfältig wird dort Mist und Stroh vermischt und immer wieder umgesetzt. Je besser das künftige Pilzsubstrat vermengt wird, desto mehr Bakterien machen sich darüber her und erhitzen es. Hobbygärtner kennen das von ihrem gut gemischten Kompost im Garten. Die Hitze tötet Keime, Unkrautsamen oder Schadpilze, die den Kulturpilzen gefährlich werden könnten, zuverlässig ab. Ist das geschehen, liefert der Kompostbetrieb das Substrat an seinen Kulturpilzanbauer, der die erdig duftende Masse in die Kulturhäuser bringt und mit Pilzbrut beimpft.

Bei der richtigen Temperatur und Feuchtigkeit dauert es nicht lange und die Pilzbrut schickt ihre Wurzeln, das Mycel, in das Substrat. Ist es völlig von den weißen Fäden durchzogen, wächst die erste Welle an erntereifen Pilze heran. Nach einer Pause folgt die zweite und meist auch noch eine dritte Erntewelle. Die vierte Erntewelle warten die Pilzanbauer in der Regel nicht ab. Sie bringt eine deutlich geringere Ernte, weil die organischen Substanzen aus Stroh und Mist von den Pilzen weitgehend zerlegt sind. Daher wird das alte Substrat nach der dritten Erntewelle entfernt, das Kulturhaus mit Heißdampf desinfiziert und frisches Substrat aufgebracht.

Auf das alte Substrat, dessen Inhaltsstoffe wie die des ehemaligen Pferdeapfels auf der Wiese nun pflanzenverwertbar sind, warten bereits interessierte Abnehmer. Der keim- und unkrautfreie „Champost“, wie er jetzt heißt, landet als Bodenverbesserungsmittel in der Nachbarschaft bei Gärtnern, im Garten- und Landschaftsbau und bei Hobbygärtnern. Ihre Grünanlagen, Gärten und Kulturen bilden das Ende der großen Wiederverwertungskette, bei der das Gleiche geschieht, wie im Kleinen auf der Weide.