2. nationale Unterglas-Gemüsebau-Tagung Bild: Strickhof

Rückblick auf die 2. nationale Unterglas – Gemüsebau – Tagung

Quelle: Landwirtschaftliches Zentrum, Gemüse und Beeren Suzanne Schnieper, Liebegg 1, 5722 Gränichen Tel. direkt 062 855 86 40, Fax 062 855 86 88 suzanne.schnieper@ag.ch

Lichtblicke für die Zukunft

Welche Bedeutung hat LED-Licht für die Belichtung von Gemüsekulturen in Holland? Wie lassen sich diese Erkenntnisse auf die Schweiz übertragen? Emissionsloser Anbau – eine Zukunftsvision? Wie kann man die Zeitdiebe im Gemüsebaubetrieb dingfest machen? Dies waren die Hauptthemen der Unterglas-Gemüsetagung vom 22. und 23. November 2017 in Brugg.

Begrüsst wurden die rund 80 Teilnehmenden von Hansruedi Häfliger, dem Direktor des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg. Der Aargauer Innovations-Campus in Brugg biete den idealen Rahmen für eine solche Veranstaltung, wo es um GewächshausTechnik und Zukunftsaspekte gehe. Bereits im ersten Referat wurde es dann sehr technisch – es ging um LED-Beleuchtung, Ertragssteigerung und Wirtschaftlichkeit. Frank van Holsteijn und Erik Stappers von der Firma Philips verglichen die Lichtspektren verschiedener Lampen mit den Bedürfnissen der Pflanze. Die Pflanzen benötigen für die Photosynthese v.a. blaues und rotes Licht, der grün-gelb Anteil (den das menschliche Auge besonders gut erkennt) ist eher unwichtig. LED können dieses Spektrum gezielt abdecken – daneben haben sie den grossen Vorteil, dass nur etwa 50 % der zugeführten Energie in Wärme umgewandelt werden, während dies bei den Natrium-Dampf-Lampen gut 2/3 sind, d.h. mit gleicher Energie ist die Lichtausbeute bei LED höher. Bei Tomaten und Salaten wurden dann verschiedene Beleuchtungsvarianten mit den Erträgen verglichen, bei Salat ist auch die Qualität deutlich verbessert. Nicht vergessen sollte man aber, dass belichtete Pflanzen mit der höheren Photosynthese einen höheren Bedarf haben und somit auch deutlich mehr Wasser benötigen.

Roland Bodenmann von Dark Sky Schweiz begrüsst eine effiziente und energiesparende Gemüse-Produktion im Gewächshaus. Man müsse deshalb die neuen Technologien genau prüfen. Von der rechtlichen Seite her sind in der Schweiz keine Grenzwerte für Lichtemissionen festgelegt, es gibt aber eine Norm zur Vermeidung unnötiger Lichtemissionen im Aussenraum. Nachweislich ist aber, dass v.a. Vögel und Insekten unter der zunehmend stärkeren Nachtbeleuchtung leiden, dabei wird der Blaulicht-Anteil von vielen Tieren besser wahrgenommen. Auf dem nächtlichen Satellitenbild sind neben den Großstädten auch die holländischen Gewächshausregionen deutlich erkennbar. So macht es auf jeden Fall Sinn, eine allfällige Belichtung so einzurichten, dass möglichst wenig gegen den Himmel und zur Seite abstrahlt. Mit Energieschirmen sollte dies einfach machbar sein. Damit beugt man auch Einsprachen aus der Nachbarschaft vor. Ausserdem bringt die Beleuchtung gegen oben keinen Nutzen, da sie der Pflanze nicht dient und also reine Energieverschwendung ist.

Im nächsten Referat stellte Joek van der Zeeuw ein System zur Entfeuchtung von Gewächshäusern vor. Mit dem Ansaugen von trockener Aussenluft kann ein stabiles, gleichmässigeres Klima erreicht werden, was die Pflanzengesundheit verbessert und in der Gesamtsumme auch Energie spart. Die simple Technik lässt sich innert kürzester Zeit durch den Mehrertrag amortisieren. John Hendrikx griff dann nochmals das Thema Belichtung auf und zeigte die Vor- und Nachteile aus Sicht langjähriger Erfahrung und Beratung. Mit welcher Strategie ist die früheste oder die höchste Gesamtproduktion möglich, welche spart am meisten Energie und welcher Pflanzzeitpunkt bringt am meisten? Wie viele Stunden soll man belichten, wie sind Bewässerung und Düngung anzupassen? Fazit: solche Hightech-Kulturen benötigen besonders gute Beobachtung und exakte Steuerung! Ein Nebenaspekt: in der belichteten Kultur fühlt sich auch die Tuta absoluta wohler!

Und schon sind wir beim nächsten Thema: LED-Lampen zur Schädlingskontrolle. Peter Kerkhofs Motto lautet: „Alle Baumschulen können ohne Pestizide arbeiten“. Die kombinierte Licht-/Wasserfalle kann sicher einzelne (nachtaktive) Insekten effektiv bekämpfen. Dies konnte bei Bananenmotten in Marokko, bei Maikäfern, Buchsbaumzünslern und Eichenprozessionsspinnern gezeigt werden. Auch bei Tuta sollte dies funktionieren, es ist auch eine Kombination mit Pheromonen möglich. Die Falle ist aber sicher nicht selektiv und gegen tagaktive Insekten kann sie nicht eingesetzt werden. Und an andere Schaderreger wie Pilze, Bakterien und Viren brauchen wir gar nicht erst zu denken.

Celine Gilli berichtete über die Versuche mit verschiedenen Lampen in Conthey, die jedoch keine gesicherten Erkenntnisse lieferten. Spannend ist hingegen der Versuch mit rotem LED-Licht zur Bekämpfung des falschen Mehltaus in Basilikum. Auf jeden Fall gilt es die Entwicklungen weiter zu verfolgen.

Ohne UV-Licht ist die Hummel praktisch blind, so Dirk Alert von Biobest, dies gilt es v.a. in Folienhäusern mit UV-blockenden Folien zu beachten. Auch die künstliche Beleuchtung in den Wintermonaten führt zu Orientierungsschwierigkeiten bei den Hummeln. Man sollte Hummelkästen möglichst hoch aufhängen, damit sie mehr Tageslicht erhalten und die Völker einschliessen, bevor die Beleuchtung eingeschaltet wird (z.B. mit automatischen Schliesssystemen). Auch auf Schädlinge hat die Beleuchtung eine Auswirkung – meist werden leider die Schädlinge wie Bemisia tabaci, Rostmilben oder Tuta dadurch aktiver gefördert als die Nützlinge. Ausserdem wird ihnen durch die Jahreskulturen die Überwinterung wesentlich erleichtert!

Mit den verschiedenen Sensoren und Messgeräten werden sehr viele Daten in den Gewächshäusern erhoben. Hans Schepers zeigte auf, wie wir diese durch Visualisierung besser nutzen können. So zeigen die grafischen Auswertungen, wie Tomatensorten auf verschiedenen Unterlagen sehr unterschiedlich auf hohe oder tiefe Wassergaben zur Steuerung des vegetativen oder generativen Wachstums reagierten. Mit dem Projekt Green Eye versuchte man die Tomaten-Sprache zu verstehen. Wim Stenfert Kroese zeigte anschliessend ein Beispiel eines modernen und robusten Sensors zur Messung von Wassergehalt und EC-Wert mit breitem Einsatzgebiet. Der batteriebetriebene Sensor übermittelt die Daten im gewünschten Intervall über eine Empfangsstation mit SIM-Karte auf PC oder Mobile. Die vielen Fragen aus dem Publikum zeigten das grosse Interesse in diesem Bereich.

Auf jedem Betrieb lauern Zeitfallen, die uns im Alltag viel Zeit „klauen“. Anschaulich zeigte Monika Schulz auf, wo diese Fallen lauern und wie wir sie „behandeln“ können. Und das vielgelobte Multitasking ist eine Illusion – die Fehlerquote steigt enorm und das Gehirn verliert die Fähigkeit, zu fokussieren (wie ein aufgescheuchtes Huhn). Gute Unterweisungen des Personals sind die Voraussetzung für hohe Effizienz und Qualität der Arbeit. Dieser Aufwand lohnt sich auf jeden Fall!

Das Referat von Jaap bij de Vaate zeigte einen wichtigen Aspekt des emissionslosen Gewächshaus-Anbaus auf, nämlich das Thema Wasser. Dabei zeigte sich, dass die höchsten Emissionen aus dem Zierpflanzenbereich, v.a. der Orchideen-Kultur stammen. In Holland wird ab 1.1.2018 eine Reinigungspflicht eingeführt, d.h. alle Gewächshausbetriebe müssen ihre Abwässer möglichst minimieren und selber reinigen. Ansonsten werden diverse Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln in Zukunft gefährdet sein.

Einen gelungen Abschluss bot der Input von Valentin Gutknecht von Climeworks. CO2-Abscheidung aus der Luft kann einerseits die CO2-Gehalte der Luft reduzieren, andrerseits kann das so gewonnene CO2 direkt für Gewächshäuser oder Mineralwasser gebraucht werden. Auch die Herstellung von Kohlenwasserstoffen ist möglich, d.h. es können CO2-neutrale Treibstoffe produziert werden. Und als letzte Möglichkeit, wenn man das Verfahren in grossem Stil anwendet, kann CO2 „versteinert“ und somit eingelagert werden. Die Pilotanlage der Gebrüder Meier auf dem Dach der KEV Hinwil hat eine Kapazität von 900 t CO2 pro Jahr.

Zusammenfassung

Mit Hilfe der vorhandenen Technik liesse sich auch die Schweizerische Glashaus-Produktion steigern bzw. der Anbau rund ums Jahr verlängern. Das Know How ist vorhanden und könnte sicher ohne grosse Anpassungen übernommen werden. Zwei Punkte gilt es aber zu beachten: erstens unsere wesentlich höheren Energiekosten im Vergleich zu Holland. Und zweitens die Frage, ob der Schweizer Markt in den Wintermonaten einheimische Tomaten und Salate überhaupt möchte – in einer Zeit, wo frei und zu Tiefpreisen importiert werden kann.

Bilder der Tagung finden Sie hier

Quelle:

Strickhof
Eschikon 21
CH-8315 Lindau

Telefon  +41 58 105 98 00
Telefax   +41 58 105 98 10
Mail         info@strickhof.ch